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Umgang mit Tod und Trauer im Arbeitsalltag

Aktualisiert: 14. Juli 2022

Das Ziel der Begleitung Trauernder ist, ihnen zu helfen, den Verlust einer nahestehenden Person zu verarbeiten, zu verkraften und sich an die Realität ohne diese Person anzupassen. Trauer ist ein natürlicher Prozess, der nicht beeinflusst werden soll. (vgl. Freud)


Trauernde brauchen Hilfe und Unterstützung, gerade wenn sie sich von den Trauerprozessen überwältigt fühlen oder von sich aus Hilfe suchen, weil ihre schwierigen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen sie sehr belasten. Es gibt verschiedene Grundsätze und Verfahren, die helfen, eine akute TrauerSituation zu bewältigen und zu einer tragfähigen Anpassung an die veränderte LebensSituation zu gelangen.

Die folgenden ErLebensAbschnitte nach den Sterbe- und Trauerphasen (nach Kübler-Ross) sollen eine Hilfestellung für alle sein, die in der Begleitung und Führung von Menschen sind, aber auch für jeden Menschen in einer Trauersituation:


1. Nicht WahrHabenWollen

Diese Phase, geprägt durch Routine, Vorhersehbarkeit und Sicherheit wird durch eine Störung radikal und (oft) unverhofft durchbrochen.

Eine wichtige Bezugsperson zu verlieren hat immer etwas Unwirkliches. Auch wenn ein Todesfall nicht unerwartet kommt, ist er letztlich so unfassbar, dass das Gefühl vorherrscht, er sei nicht wirklich geschehen. Handlungsunfähigkeit und Fassungslosigkeit sind normale Reaktionen.

Was kannst du tun?

In dieser Phase ist es für Betroffene hilfreich, wenn die Menschen um sie herum einfach da sind. In dieses Präsent Sein fallen verschiedene Hilfestellungen: Zuhören, ein Gespräch anbieten, in der Erledigung und Einteilung von Aufgaben helfen, Termine gemeinsam planen,...


2. Verdrängen der Realität

>Es kann doch nicht wahr sein<. In der Hoffnung, dass ein Irrtum vorliegt, versuchen Trauernde die Wahrheit zu verdrängen. In dieser Phase hilft es erfahrungsgemäß, über den Verlust zu sprechen.

Was kannst du tun?

In der Regel braucht man nur die richtigen Fragen zu stellen: „Wo ist die Person gestorben?“ „Wie ist es dazu gekommen?“ „Wie hast du davon erfahren?“ „Wo warst du, als du die Nachricht erhalten hast?“ … Für den Fragenden erfordert es vielleicht etwas Mut, die Trauernde Person so direkt anzusprechen, aber durch das Reden wird die Realität des Todes bewusster und die Trauer verarbeitet. Gefühlen, die die Trauer begleiten wird Aufmerksamkeit geschenkt und therapeutisch gesehen – sie bleiben nicht im Körper hängen. (Was so viel bedeutet wie, dass sie nicht geschluckt werden.)


3. Wut, Aggression

Der Tod eines geliebten Menschen ruft bei den Hinterbliebenen oft Wut hervor, die wahrscheinlich zwei Quellen hat: Frustration und regressive Hilflosigkeit. Woher sie auch rühren mag, viele Menschen verspüren große Wut, verstehen sie aber nicht immer als Wut gegen die verstorbene Person (weil sie einen verlassen hat). Jedenfalls ist diese Wut real und muss ein Ventil finden; kann sie sich nicht gegen das eigentliche Ziel, die verstorbene Person (weil sie mich verlassen hat) richten, wird sie häufig auf andere umgelenkt – das Krankenhaus, die Ärztin, das Bestattungsunternehmen oder ein Familienmitglied.

Wird diese Wut weder auf die verstorbene Person noch auf andere gelenkt, richtet sie sich meist nach innen und macht sich in Form von Depressionen, Schuldgefühlen oder geringen Selbstachtung bemerkbar.

Was kannst du tun?

Diese Emotionen, die nach außen gerichtet sind, können als Schuldzuweisungen wahrgenommen werden. Es gilt hier, diese auszuhalten, gleichzeitig aber auch wachsam zu sein um sich nicht selbst in diese Schulzuweisungen zu verstricken. Trauernde werden dadurch unterstützt, um aus diesem Gedankennetz auszubrechen.


4. Resignation, Verzweiflung

In diesem Abschnitt der Trauer verlieren die trauernden Menschen oft die Hoffnung das Leben, die Arbeits- oder Lebenssituation alleine zu meistern. Im Arbeitsalltag ist dies zu spüren, wenn gewohnte Situationen überfordern.

Was kannst du tun?

Hilfestellung bedeutet hier, dass den Mitarbeiter*innen aktiv Hilfe angeboten wird, wenn sie mit Rückzug oder Energielosigkeit reagieren.


5. Verarbeitung, Trauerarbeit

Es ist sehr individuell wie lange eine Trauerphase dauert. Trauernde müssen lernen, ihren Alltag neu zu gestalten. In einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Situation müssen sie lernen, einen neuen Sinn für das Leben oder die Sache (Arbeit) zu finden.


„Wir müssen lernen, was Trauer bedeutet und wie das berufliche Umfeld dazu beitragen kann, den Zeitraum der Beeinträchtigung zu verkürzen und das positive Potential im Trauerprozess zu nutzen.“ (Vgl. Roth)

„Individuelle und kollektive Trauer „kostet“ zwar Raum und Zeit und benötigt viel Energie, wer aber lernt, mit Trauer und Verlust bewusst umzugehen, wird bei der Bewältigung weiterer privater und beruflicher Krisen gestärkt.

Dies gilt für einzelne Menschen wie auch für Organisationen die in Austauschbeziehung mit ihren Organisationsmitgliedern stehen.

Ein Unternehmen, das einen oft überraschenden Trauerprozess gemeinsam besteht, weiß um die Tragfähigkeit und Stabilität der eigenen Kultur.“ (Vgl. Wuhr)

Quelle: Beratung und Therapie in Trauerfällen, William J. Worden, 2011, S. 84-104






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