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Vom Funktionieren zur Beziehung

1. Okt.
3 Min. Lesezeit
Ein Vater kann sehr viel für seine Familie tun und trotzdem emotional wenig erreichbar sein. Der entscheidende Unterschied liegt in der Beziehung.

„Ich mache doch eh so viel.“ Und doch sagt sie mir, dass ich zu wenig da bin.

Diesen Satz höre ich von Männern immer wieder. Und häufig stimmt er. Hmm. Lass uns dem gemeinsam auf den Grund gehen. Bist du dabei?


Viele Väter arbeiten viel, organisieren, übernehmen Aufgaben und versuchen, ihre Familie zu unterstützen. Sie sind irgendwie immer da.

Wo liegt jedoch der Haken?

Die Frage ist deshalb nicht:

„Machst du genug?“

Die interessantere Frage lautet:

„Wie bist du dabei mit deinem Kind und deiner Partnerin in Beziehung?“


Versorgung ist wichtig. Beziehung auch.

Kinder brauchen Sicherheit. Sie brauchen Essen, Kleidung, ein Zuhause und verlässliche Strukturen. Aber sie brauchen auch einen Erwachsenen, der emotional erreichbar ist.

Einen Vater, der nicht nur anwesend ist, sondern wirklich da.

Was bedeutet das? Wo liegt der Unterschied zwischen Anwesenheit und DaSein?


Anwesenheit und Präsenz sind zwei unterschiedliche Dinge.

Ein Vater kann körperlich im selben Raum sein und gleichzeitig gedanklich bei der Arbeit, am Handy oder bei seinen Problemen.

Und er kann mit seinem Kind zehn Minuten auf dem Boden sitzen und dabei wirklich vollständig da sein. Dieses wirklich DaSein ist Präsenz. Dieses wirklich in Beziehung sein. Ganz DaSein. Kann das überhaupt gelingen?


Präsenz ist keine Persönlichkeitseigenschaft

Manche Männer denken: „Ich bin halt nicht so der emotionale Typ.“

Präsenz bedeutet nicht, (ständig) über Gefühle sprechen zu müssen.

Es kann auch bedeuten:

hinsehen.zuhören.fragen.aushalten.mitspielen.trösten.Grenzen setzen.

Oder einfach einmal das Handy weglegen und sagen:

Erzähl mir, was heute war.

Der Körper merkt oft früher, was los ist

Hier kommt die neurosystemische Perspektive ins Spiel. Als Coach für neurosystemische Integration ist dies ein wichtiger Ansatz in der Begleitung von Vätern. Denn:

Beziehung findet nicht nur über Worte statt.

Unser Nervensystem nimmt permanent wahr:

Ist jemand ansprechbar? Ist jemand angespannt? Ist jemand sicher? Ist jemand wirklich bei mir?

Kinder reagieren sehr fein auf solche Signale. Deshalb beginnt Präsenz häufig nicht beim Kind, sondern beim Vater selbst.


Wie bin ich gerade eigentlich unterwegs?

Bin ich erschöpft? Unter Druck? Gereizt? Gedanklich noch bei der Arbeit?

Wenn ich das bemerke, kann ich etwas verändern.

Vielleicht brauche ich zehn Minuten, bevor ich ins Wohnzimmer gehe.

Vielleicht hilft ein kurzer Spaziergang. Vielleicht drei bewusste Atemzüge.

Vielleicht einfach die Entscheidung:

Jetzt bin ich für zehn Minuten wirklich hier. Bei meinem Kind.


Es geht nicht um Perfektion

Kinder brauchen keinen Vater, der immer ruhig bleibt.

Sie brauchen auch keinen Vater, der immer alles richtig macht.

Sie brauchen Beziehung – und sie brauchen die Erfahrung, dass Beziehung nach einem Bruch wiederhergestellt werden kann. Wir als Väter müssen auf unsere Kinder zugehen. Dann und wann braucht es eine ehrliche - jedoch sachliche Erklärung:

„Das war gerade nicht gut von mir.“

„Ich war zu laut.“

„Es tut mir leid.“

„Wollen wir noch einmal anfangen?“

Auch das ist Vaterschaft.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Vater seinem Kind vorleben kann:

Ich kann Fehler machen und trotzdem in Beziehung bleiben.

Das ist mehr als Funktionieren.

Das ist gelebte Beziehung. Und die wünsche ich dir von Herzen.

Vater sein ist eine schöne Aufgabe. Vater sein ist eine Lebenseinstellung.


Ich selber?

Bin Vater von drei Kindern und einem Sternenkind... das Leben zeigt mir täglich, wie wichtig und wertvoll Beziehung ist. Dankbar darf ich lernen - täglich neu, mich darauf einzulassen.

Hier in diesem Blog teile ich meine Gedanken dazu.

Auch die Fragen aus meiner Arbeit als psychosozialer Berater mit Schwerpunkt Männerberatung... sie finden hier einen Raum. Sie laden dich ein, mit ihnen in Resonanz zu gehen.

Um der Mann zu sein, der in dir wartet. In Beziehung.

Schön, dass du da bist.

Hinterlasse gerne einen Kommentar oder eine Frage... vielleicht hast du eine Idee für den nächsten Artikel? Was möchtest du wissen?

Sei der Mann, der in dir wartet. In Beziehung.
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