Fehler sind erlaubt - Verdrängen nicht
- Bernhard Dünser Cafe am Waldrand

- 31. Juli 2025
- 5 Min. Lesezeit
Eine Einladung zu mehr Fehlerkultur in Familien
Eine gute Fehlerkultur ist wie ein ehrlicher, mutiger und gleichzeitig freundlicher Raum – einer, in dem Menschen Fehler machen dürfen, ohne Angst, aber nicht ohne Verantwortung. Und genau so einen Raum brauchen wir – nicht nur in Unternehmen oder Teams, sondern auch in unseren Familien.
Warum Fehlerkultur in Familien so wichtig ist
Kinder lernen nicht nur durch Worte, sondern durch Atmosphäre. Wenn in einer Familie Fehler wie kleine Katastrophen behandelt werden, entwickeln sich zwei Überlebensstrategien:
Vermeiden
Verstecken
Beides führt nicht zu Wachstum – sondern zu Angst. Angst davor, etwas falsch zu machen. Angst, enttäuschend zu sein. Angst, nicht zu genügen. Und diese Angst nehmen viele bis ins Erwachsenenleben mit.
#ralph ist heute 54 Jahre alt. Seine Mama war Hausmeisterin in einer großen Siedlung in der auch sie eine Wohnung hatten. Er musste oft helfen und war froh, wenn es Abend wurde. Denn dann konnte er nichts mehr falsch machen.
#ralphs Eltern waren arm und seine Mama wollte diesen Job gar nie machen. Sie musste es tun - als Zuverdienst.
#ralph erzählt mir, dass seine Mama viel Wert darauf legte, was die Nachbarn dachten. Es durfte bei den Hausmeisterdiensten ja kein Fehler passieren: etwas verschütten, Laub übersehen, zu laut im Stiegenhaus sein, ... "Was denken da die Nachbarn, wenn du so bist!"
#ralph hat gelernt, ja keinen Fehler zu machen. Bis heute.
Heute? Heute hindert #ralph diese Einstellung am Erfolg. Sein Leben ist purer Stress - wie er selber sagt.
#ralph steht heute gut im Leben - "Ich habe es geschafft," sagt er selber. Wie? Lies gerne im Teil weiter unten...Wenn Fehler zum Tabu werden
Vielleicht kennst du Sätze wie:
„Wie oft muss ich dir das noch sagen?!“
„Was hast du dir dabei gedacht?!“
Oder das berühmte Schweigen – wenn Fehler passieren, aber keiner drüber spricht.
Sie alle signalisieren: Hier ist kein Platz für Unvollkommenheit. Dabei passieren Fehler nicht, weil jemand „schlecht“ ist – sondern weil jemand lernt. Weil jemand lebt. Weil jemand probiert – und eben nicht immer trifft.
Was eine gute Fehlerkultur in der Familie ausmacht
Fehler dürfen passieren.– Niemand wird bloßgestellt, ausgelacht oder beschämt.– Auch nicht für kleine Dinge.
Es darf darüber gesprochen werden – ehrlich und ruhig.– Nicht aus der Wut heraus, sondern aus dem Wunsch zu verstehen.– „Was ist passiert – und wie können wir’s beim nächsten Mal besser machen?“
Eltern leben es vor.– Wer sich selbst für eigene Fehler entschuldigen kann, zeigt Größe.– Und gibt dem Kind ein kraftvolles Vorbild: Auch Große machen Fehler – und es ist okay.
Verantwortung statt Strafe.– Es geht nicht darum, „davonzukommen“ – sondern zu spüren:
„Ich bin verantwortlich, aber ich bin trotzdem geliebt.“Und wie geht das konkret?
Ein paar Ideen für den Alltag:
Statt „Warum hast du das gemacht?!“ lieber: „Erzähl mir, wie das passiert ist.“
Wenn du selbst laut geworden bist, sag: „Das war nicht okay von mir. Ich war gestresst, aber du hattest das nicht verdient.“
Wenn dein Kind einen Fehler macht, frag: „Was hast du daraus gelernt?“– Und sag auch, was du selber als Elternteil daraus lernst.
Manchmal einfach nur: „Ist okay. Jeder macht mal Mist. Ich bin da.“
Fazit: Fehler sind nicht das Problem – Schweigen ist es
Eine Familie, in der man Fehler machen darf, ist keine „nachsichtige“ Familie, sondern eine Starke. Eine Ehrliche. Eine, in der Vertrauen größer ist als Perfektion.
Denn am Ende geht es nicht darum, alles richtig zu machen. Sondern den Mut zu haben, auch das Falsche anzuschauen – gemeinsam.
Fehler sind erlaubt – Verdrängen nicht. Vielleicht fängt eine neue Fehlerkultur genau da an: In deinem Wohnzimmer. Mit einem Satz. Mit einem Blick. Mit einem „Ich versteh dich.“

#ralphs Geschichte
Ralphs Geschichte ist tief – und gleichzeitig sehr typisch. Viele Menschen tragen solche „Fehler-Vermeidungs-Programme“ aus ihrer Kindheit mit sich herum, ohne zu merken, wie sehr sie ihr heutiges Leben einschränken.
Du fragst dich, wie Ralph aussteigen kann – wie er seine alten Muster unterbricht?
Ich darf hier einige Ideen und Entwicklungsimpulse, die Ralph persönlich umgesetzt hat, mit dir teilen:
Das alte Schutzprogramm erkennen – und würdigen
#ralph hat nicht „falsch“ gelernt – er hat überlebt. Was ihm heute im Weg steht, hat ihm damals geholfen, nicht beschämt oder abgelehnt zu werden.
Idee:
„Danke, Muster. Du hast mir damals geholfen. Aber heute brauch ich dich nicht mehr so.“
Alle Veränderung beginnt mit Wertschätzung für die eigene Vergangenheit. Auch hier dürfen wir das Fehlerdenken verlassen. Ohne Schuld, ohne Wut – nur Klarheit.
Glaubenssätze sichtbar machen – schriftlich oder laut
Beispielhafte Sätze, die #ralph in sich tragen könnte:
„Ich darf keinen Fehler machen, sonst verliere ich Anerkennung.“
„Ich bin nur sicher, wenn ich alles richtig mache.“
„Ich bin nur liebenswert, wenn ich funktioniere.“
Idee: #ralph schreibt seine GlaubensSätze auf – und daneben jeweils:
„Stimmt das wirklich?“„Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?“(Byron Katie lässt grüßen)
Neue Erfahrungen üben – im Kleinen
#ralph fängt bewusst an kleine, kontrollierte Fehler zu machen und sich dabei zu beobachten:
„Was passiert wirklich? Stirbt jemand? Werde ich verurteilt? Oder… ist es nur ein alter Film in meinem Kopf?“
Ideen:
Mal etwas sagen, obwohl’s nicht perfekt formuliert ist.
Eine Aufgabe unperfekt abgeben – und nicht erklären warum.
Jemandem widersprechen, auch wenn’s unangenehm ist.
Ziel: Erleben, dass nichts Schlimmes passiert. Dass Freiheit entsteht, wenn man nicht alles im Griff hat.
Emotionale Verankerung: Der kleine #ralph in ihm
Vielleicht glaubt #ralph mit 54 noch immer, dass er als Kind bewertet wird.
Idee aus der inneren-Kind-Arbeit:
„Was hätte dein 10-jähriges Ich damals gebraucht? Was würdest du ihm heute sagen?“– Und das dann sich selbst täglich sagen. Vielleicht: „Du darfst Fehler machen. Du bist trotzdem gut. Du musst nicht kämpfen, um dazuzugehören. Du lernst ja daraus.“
Neue innere Sätze – bewusst trainieren
Statt:
„Was denken die Leute?“
#ralph darf denken: „Ich weiß, wer ich bin – auch wenn andere mich nicht perfekt finden.“ Oder: „Ich darf mich zeigen. Mit allem.“
Die alten Stimmen gehen nicht weg – aber sie werden leiser, wenn Neue lauter werden.
#ralphs Geschichte
Ralphs Geschichte zeigt: Nicht die Fehler tun weh – sondern die Angst vor ihnen. Und diese Angst kommt oft nicht aus dem Jetzt, sondern aus einem früheren Dazugehören-Wollen. Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Mut heißt, trotzdem anders zu handeln.
Und gerade hier möchte ich dich als Elternteil einladen!
Sei mutig. Steh zu deinen Fehlern. Du darfst Fehler machen. Um dann wieder verantwortungsvoll daraus zu lernen!
Dein Kind wird es dir danken!
Falls du Unterstützung brauchst oder dich mit deiner eigenen Geschichte auseinandersetzen möchtest: Ich biete dir hier gerne meine Begleitung als psychosozialer Berater I MännerCoach und systemischer Coach an.
Melde dich gerne bei Fragen. Direkt hier im Chat oder per Mail.
Dein Bernhard








Das Fehler machen fällt uns einfach nicht so leicht🥹